Dieser Artikel liefert dir ein CIO-taugliches Entscheidungs- und Migrationsframework: klar, pragmatisch, ohne Buzzword-Nebel. Ziel: ein belastbarer Weg von PI/PO zur SAP Integration Suite – inklusive Governance, Security und einem realistischen Phasenmodell.
Einleitung
Du modernisierst gerade eure IT-Landschaft? S/4HANA, Cloud-ERP, neue SaaS-Tools, Partnerportale, Data Plattform, Automatisierung, KI – alles gleichzeitig. Klingt nach Fortschritt. Und ist es auch. Bis zu dem Moment, in dem Integration euch ausbremst.
In vielen DACH-Unternehmen läuft das Rückgrat der Integration noch auf SAP PI/PO. Das war lange eine sichere Bank: stabil, bekannt, beherrschbar. Heute kippt das Bild – nicht weil PI/PO plötzlich „schlecht“ wäre, sondern weil sich Architekturprinzipien verändert haben: API-First, Event-Driven, Zero-Trust, Observability und ein Betrieb, der Hybrid und Cloud selbstverständlich mitdenkt.
Der PI/PO Exit ist deshalb keine technische Ablösung, sondern eine strategische Entscheidung:
Willst du Integration als notwendige Infrastruktur „am Laufen halten“ – oder als Plattform nutzen, die Geschwindigkeit, Skalierbarkeit und Innovation ermöglicht?
Inhaltsverzeichnis
- Warum Integration in DACH transformationskritisch ist
- PI/PO: Warum der Status quo nicht mehr trägt
- Wenn Legacy auf Cloud trifft: typische Integrationsprobleme
- Moderne Integration: iPaaS, APIs und Events
- SAP Integration Suite: Zielbild statt Ersatzprodukt
- PI/PO Exit: Phasenmodell statt Big Bang
- Governance, Security & Betrieb: der DACH-Realitätscheck
- Entscheidung: PI/PO vs. SAP Integration Suite
- Fazit
- FAQs – häufige CIO-Fragen
Warum Integration in DACH transformationskritisch ist
Digitale Transformation scheitert selten daran, dass Anwendungen fehlen. Sie scheitert daran, dass Anwendungen nicht sauber zusammenarbeiten.
Und in DACH kommt noch etwas dazu: Regulatorik, Auditierbarkeit und Nachvollziehbarkeit sind keine „Nice-to-haves“. Sie sind in vielen Branchen Teil der Betriebserlaubnis – egal ob du Automotive-Zulieferer, Maschinenbauer, Pharma, Retail oder Finance bist.
Die Realität:
- Daten entstehen überall (ERP, CRM, E-Commerce, Logistik, Partner, Cloud Services).
- Prozesse laufen über Systemgrenzen hinweg.
- Fachbereiche erwarten Tempo – aber auch Verlässlichkeit.
Wenn Integration nicht stimmt, wirst du langsam – und riskant.
CIO-Merksatz:
Ohne moderne Integration keine durchgängige Digitalisierung. Ohne durchgängige Digitalisierung keine Skalierung.
PI/PO: Warum der Status quo nicht mehr trägt
PI/PO hat viele Jahre genau das getan, wofür es gebaut wurde: robuste, zentrale Integration in On-Prem-Landschaften. Das Problem ist nicht die Vergangenheit – sondern die Gegenwart.
Moderne Anforderungen passen immer schlechter zu einem Setup, das stark auf zentrale, eng gekoppelte Flows setzt:
- Wiederverwendung fehlt: Viele Integrationen sind „einmal gebaut, einmal genutzt“.
- Änderungen werden teuer: Kleine Änderungen ziehen oft Testlawinen nach sich.
- Cloud frisst Komplexität: Jede neue SaaS-Anbindung ist ein neues Sonderprojekt.
- Echtzeit wird zum Kampf: Polling, Batch und klassische Nachrichtenlogik stoßen schnell an Grenzen.
- Betrieb skaliert schlecht: Monitoring, Fehleranalyse und Ownership verteilen sich über Teams und Tools.
Die wichtigste Erkenntnis für Entscheider:
Das Risiko ist nicht nur „Wartung“ oder „Produktlebenszyklus“.
Das Risiko ist Architektur – und Architektur bestimmt Geschwindigkeit.
Merksatz:
PI/PO stabilisiert den Bestand. Die SAP Integration Suite ist das Zielbild für die Zukunft.

Wenn Legacy auf Cloud trifft: typische Integrationsprobleme
Hybrid ist in Deutschland und DACH nicht die Ausnahme – es ist der Normalfall. Genau dort entstehen die klassischen Integrationsschmerzen:
1) Starre Kopplung statt Veränderbarkeit
Wenn Schnittstellen eng an Systeme gebunden sind, wird jede Systemänderung zur Integrationskrise: neues Datenmodell, neue Authentifizierung, neue SLAs – und plötzlich ist alles „kritisch“.
2) Security- und Compliance-Spannungen
Zero-Trust, Token-basierte Zugriffe, Policies, zentrale Kontrolle – das ist heute Standard. Wenn Integrationen das nicht sauber unterstützen, entstehen Schattenlösungen, Ausnahmen, Workarounds. Und damit Audit-Risiko.
3) Partnerintegration als Business-Risiko
B2B/Partneranbindungen sind in vielen DACH-Branchen geschäftskritisch (Lieferketten, EDI, Portale). Wenn die Integration nicht stabil überwacht und standardisiert ist, trifft es nicht nur IT – es trifft Umsatz, Liefertreue und Reputation.
4) Betriebskosten explodieren leise
Die Kosten steigen nicht durch „mehr Lizenzen“, sondern durch mehr Reibung: Testaufwand, Incident-Zeit, fehlende End-to-End-Sicht. Und genau das merken Fachbereiche als „IT dauert“.
CIO-Leitfrage:
Hält eure Integrationsarchitektur euch flexibel – oder hält sie euch fest?
Moderne Integration: iPaaS, APIs und Events
Moderne Integrationsarchitekturen folgen drei Prinzipien. Wenn du sie verinnerlichst, wird der PI/PO Exit planbar – und nicht chaotisch.
API-First
APIs sind Verträge: versioniert, dokumentiert, beobachtbar. Das reduziert Wildwuchs, erhöht Wiederverwendung und macht Change steuerbar.
Event-Driven
Events entkoppeln Systeme. Ein System „feuert“ ein Ereignis, andere reagieren. Kein ständiges Nachfragen, keine harte Prozesskopplung, bessere Resilienz.
Governance-by-Design
Standards, Policies, Monitoring, Lifecycle – nicht als Zusatz, sondern als Default. Damit Integration skaliert wie ein Produkt, nicht wie ein Projekt.
Genau deshalb wird iPaaS strategisch: nicht „noch ein Tool“, sondern die Plattform, auf der Integration verlässlich und schnell passiert.
SAP Integration Suite: Zielbild statt Ersatzprodukt
Wichtig: Die SAP Integration Suite ist kein „PI/PO in Cloud“. Sie ist ein neues Zielbild, das mehrere Fähigkeiten bündelt – und dir erlaubt, Integration als Plattform zu betreiben.
Typische Bausteine (je nach Bedarf):
- Application Integration: Flows, Adapter, Mapping, Orchestrierung (SAP und Non-SAP)
- API Management: Policies, Authentifizierung, Rate Limits, Analytics, Developer Experience
- Event-Driven Integration: Ereignisbasierte Kommunikation und Entkopplung
- B2B Integration: Standardisierte, sichere Partneranbindung
- Guided Practices & Content: Vorlagen, Best Practices, wiederverwendbare Artefakte
Die harte Wahrheit (und die gute Nachricht):
Wenn du nur „Flows wie früher“ nachbaust, migrierst du Altlasten.
Wenn du API-/Event-Standards und Governance etablierst, modernisierst du wirklich.
Merksatz:
Die SAP Integration Suite ist Plattform – nicht nur Middleware.

PI/PO Exit: Phasenmodell statt Big Bang
Der Big Bang klingt manchmal effizient. In DACH ist er in der Praxis oft riskant: zu viele kritische Prozesse, zu viele Abhängigkeiten, zu wenig Fehlertoleranz.
Das Phasenmodell funktioniert besser, weil es Risiken kontrolliert und schnell Lernkurven erzeugt.
Phase 1: Transparenz schaffen (Integration Inventory)
- Welche Schnittstellen existieren wirklich? (nicht nur „ungefähr“)
- Kritikalität, Volumen, Datenklassen (personenbezogen?), SLAs, Authentifizierung
- Abhängigkeiten: Welche Prozesse hängen an welchen Integrationen?
Ergebnis: eine priorisierte Landkarte – nicht eine Bauchentscheidung.
Phase 2: Zielarchitektur & Standards definieren
- API-Standards: Namenskonvention, Versionierung, Error-Handling, Logging
- Event-Standards: Event-Naming, Schemata, Ownership (fachliche Events!)
- Betriebsmodell: Plattform-Team vs. Produktteams, Verantwortlichkeiten, Runbooks
Ergebnis: klare Regeln, die Migration beschleunigen statt bremsen.
Phase 3: Migration in Wellen (nach Risiko & Nutzen)
- Welle 1: Low/Medium Critical → Templates, Patterns, Tooling etablieren
- Welle 2: Business Critical → Parallelbetrieb, Cutover-Kriterien, saubere Tests
- Welle 3: Partner/B2B → Standardisierung + Monitoring + Nachvollziehbarkeit
Ergebnis: Fortschritt ohne Betriebsrisiko.
Phase 4: Stilllegung & Optimierung
- PI/PO decommissionen: Schnittstellen weg, Betrieb vereinfacht, Kosten runter
- Observability konsolidieren: End-to-End-Sicht, klare SLOs
- Wiederverwendung messen: wie viele Integrationen nutzen gemeinsame APIs/Events?
Praxisregel:
Du gewinnst den PI/PO Exit nicht durch Geschwindigkeit beim Umziehen, sondern durch Qualität beim Neu-Design.
Governance, Security & Betrieb: der DACH-Realitätscheck
In DACH entscheidet Governance oft darüber, ob Programme fliegen oder stecken bleiben. Moderne Integration braucht klare Spielregeln – und sie müssen gelebt werden.
Was du brauchst:
- Security-by-Default: OAuth2/OIDC, Zertifikate, Policy Enforcement
- Data Governance: Logging-Regeln, Aufbewahrung, Maskierung, Datenklassifizierung
- Auditability: Changes nachvollziehbar, Deployments kontrolliert, Rollen klar
- Monitoring/Observability: End-to-End, nicht nur „System ist grün“
- Ownership & Lifecycle: Wer verantwortet APIs/Events? Wer entscheidet über Breaking Changes?
CIO-Realitätscheck:
Habt ihr Integration als Produkt mit Verantwortung – oder als historisch gewachsene Sammlung?
Wenn du diesen Punkt sauber löst, wird die SAP Integration Suite zum Enabler statt zur neuen Baustelle.
Entscheidung: PI/PO vs. SAP Integration Suite
| Kriterium | PI/PO | SAP Integration Suite |
|---|---|---|
| Architektur | zentral, eher monolithisch | modular, API- & Event-basiert |
| Kopplung | eng | lose |
| Echtzeit | begrenzt | nativ über Events & Entkopplung |
| Governance | oft fragmentiert | zentral über Policies & Lifecycle |
| Hybrid-Fähigkeit | möglich, aber aufwändig | als Zielbild konzipiert |
| Innovation | eingeschränkt | Enabler für neue Use Cases |
Wenn eure Roadmap Cloud-ERP, SaaS-Ausbau, Partner-Ökosysteme, Echtzeitprozesse oder API-Economy enthält, ist die SAP Integration Suite in der Regel das strategisch sauberere Zielbild.
Fazit
Wenn du den PI/PO Exit pragmatisch starten willst, ohne den Betrieb zu gefährden, funktionieren drei Schritte zuverlässig:
- Integration-Portfolio-Assessment: Transparenz, Risiken, Priorisierung
- Zielarchitektur-Workshop: API-/Event-Standards, Governance, Betriebsmodell
- Pilot-Welle (3–5 Integrationen): Patterns bauen, Monitoring & Security von Anfang an
Interne Verlinkungen (Platzhalter):
- Kompetenz: Integrationsarchitektur
- Leistung: SAP Integration Suite Implementierung
- Lösung: API Management & Governance
- Blog: Event-Driven Integration in der Praxis
Der PI/PO Exit ist keine Pflichtübung. Er ist eine Chance, Integration neu zu denken: weniger Kopplung, mehr Wiederverwendung, bessere Steuerbarkeit – und damit mehr Geschwindigkeit bei gleichzeitig höherer Sicherheit.
In Deutschland & DACH zählt genau diese Kombination: Tempo plus Verlässlichkeit. Unternehmen, die Integration modernisieren, reduzieren technische Schuld, stabilisieren Kernprozesse und schaffen die Basis für Automatisierung, KI und neue Geschäftsmodelle.
Und wenn du nur einen Satz mitnimmst, dann diesen:
Der PI/PO Exit wird erfolgreich, wenn du nicht nur migrierst – sondern modernisierst.
FAQs – häufige CIO-Fragen
Muss PI/PO sofort abgeschaltet werden?
Nein. Parallelbetrieb ist meist der sichere Weg – vor allem bei kritischen End-to-End-Prozessen.
Ist die SAP Integration Suite nur für Cloud-Systeme?
Nein. Sie ist für Hybrid-Szenarien gedacht und verbindet Cloud und On-Prem.
Wie lange dauert ein PI/PO Exit?
Das hängt von Anzahl und Kritikalität der Integrationen ab. In der Praxis läuft es meist in Wellen – iterativ statt in einem Cutover.
Brauchen wir APIs und Events wirklich?
Wenn du Echtzeit, Skalierbarkeit, Resilienz und schnelle Partner-/Produktanbindung willst: ja. Das sind die Hebel für Entkopplung.
Was ist der häufigste Fehler?
„Lift & Shift“ ohne Standards. Dann migrierst du Komplexität – statt sie zu reduzieren.
Hier auf unserer Website: https://www.fink-its.de/loesungen/sap-integration-suite.html
Oder in ähnlichen Blogartikel: Von PI/PO zur SAP Integration Suite – Zeit für den Absprung
