SAP Cloud ERP ist für viele CIOs der Hebel, um ERP endlich aus dem „Modernisieren im laufenden Betrieb“-Modus herauszubekommen: schneller standardisieren, Betrieb entlasten, Innovation planbar machen. Und dann kommt die eigentliche Frage: SAP Cloud ERP (Public) oder SAP Cloud ERP Private?
Diese Entscheidung ist weniger „technisch“ als strategisch. Denn sie bestimmt, ob Du in den nächsten Jahren eher process follows solution (Public) lebst – oder solution follows process (Private). Sie beeinflusst TCO, Release-Fähigkeit, Compliance-Spielräume, Erweiterbarkeit, Integrationen – und den Migrationspfad: Public ist häufiger Greenfield/Neuaufsetzen, während Private oft der natürliche Weg für Migrationen aus SAP ERP oder S/4HANA On-Premise ist.
In diesem Leitfaden bekommst Du ein pragmatisches SAP Cloud ERP Entscheidungsframework: mit klaren Kriterien, CIO-Leitfragen, typischen Entscheidungsfallen – und einem Weg, wie Du die Entscheidung belastbar ins Steering bringst. Dazu kommt ein konkreter Praxishebel: DDA (Digital Discovery Assessment), mit dem sich Public vs. Private nicht „gefühlt“, sondern strukturiert am Bedarf festmachen lässt.

Inhaltsverzeichnis
- 1. Überblick: SAP Cloud ERP-Optionen
- 2. Kostenmodell SAP Cloud ERP und TCO: Was wirklich zählt
- 3. Compliance, Security und Datenkontrolle
- 4. Custom Code & Extensibility: Clean Core als Realitätscheck
- 5. Betriebsverantwortung & Updates: Release-Fähigkeit als KPI
- 6. Migration & Transformation: Greenfield vs. Migration
- 7. DDA: SAP Cloud ERP Public vs Private konkret festlegen
- 8. Entscheidungsübersicht: SAP Cloud ERP Public vs Private
- 9. Fazit
- FAQs
1. Überblick: SAP Cloud ERP-Optionen
Unter dem Begriff SAP Cloud ERP findest Du zwei klar unterschiedliche Betriebs- und Transformationslogiken:
SAP Cloud ERP (Public): process follows solution
Public ist die Variante für Unternehmen, die Standardisierung ernst meinen. Du setzt auf Best Practices, steuerst den Funktionsumfang über vordefinierten Scope und arbeitest konsequent „cloud-first“. Übersetzt: Du passt Prozesse an die Lösung an. Das fühlt sich am Anfang manchmal unkomfortabel an – ist aber genau der Grund, warum Public langfristig oft schneller, günstiger und update-freundlicher wird.
SAP Cloud ERP Private: solution follows process
Private ist die Variante für Unternehmen, die mehr Freiraum brauchen – etwa durch komplexe Integrationen, regulatorische Besonderheiten oder einen großen Fußabdruck an historisch gewachsenen Prozessen. Übersetzt: Die Lösung wird stärker an eure Prozessrealität angepasst, und ihr kontrolliert Change- und Release-Timing stärker. Das kann Risiken reduzieren – kostet aber Governance, Tests und meist auch TCO.
CIO-Merksatz:
Public belohnt Standardisierung. Private belohnt Stabilität und Kompatibilität.
2. Kostenmodell SAP Cloud ERP und TCO: Was wirklich zählt
Wenn Du SAP Cloud ERP wirtschaftlich bewerten willst, reicht kein Subscription-Vergleich. Der Unterschied steckt im TCO-Verhalten.
SAP Cloud ERP Public: TCO-Vorteil durch Standard + Betriebsentlastung
Public ist oft dann wirtschaftlich überlegen, wenn Du:
- Prozessvarianten reduzierst,
- die Organisation releasefähig machst,
- Erweiterungen sauber entkoppelst.
Der TCO sinkt weniger durch „billige Lizenzen“, sondern durch weniger Komplexität: weniger Regressionstests, weniger Sonderfälle, weniger „Run“-Aufwand im eigenen Haus.
SAP Cloud ERP Private: Höherer TCO – dafür Fit und Transformationsfreiheit
Private lohnt sich, wenn Standardisierung kurzfristig zu teuer wäre. Typische Kostentreiber in Private-Projekten:
- mehr Integrations- und Schnittstellenpflege,
- mehr Testaufwand rund um Upgrades,
- mehr Abstimmungsbedarf im Operating Model.
CIO-Leitfragen zum TCO
- Wie viel kostet uns Prozessharmonisierung real (Change, Trainings, lokale Abweichungen)?
- Haben wir Testautomatisierung, oder testen wir „mit Mut und Excel“?
- Wo steckt technische Schuld (Custom Code, Schnittstellen, Eigenentwicklungen)?
3. Compliance, Security und Datenkontrolle
Compliance ist selten ein Showstopper – aber oft ein Entscheidungshebel.
SAP Cloud ERP Public: Standard-Controls, klare Verantwortungsgrenzen
Public passt, wenn Standard-Controls reichen und Du Verantwortung bewusst abgeben willst. Für CIOs ist das attraktiv, weil es Klarheit schafft: weniger „wir müssten eigentlich…“, mehr definierte Betriebsstandards.
SAP Cloud ERP Private: mehr Steuerbarkeit bei Sonderanforderungen
Private spielt seine Stärken aus, wenn Du:
- besondere Audit- oder Nachweispflichten hast,
- strengere Daten-/Betriebsrichtlinien durchsetzen musst,
- Release-Timing kontrollieren musst, um Betriebsrisiken zu minimieren.
CIO-Check
- Gibt es Non-Negotiables (z. B. Datenkategorien, Auditpfade, Segregation-of-Duties-Logik)?
- Sind wir regulatorisch in der Lage, häufige Änderungen schnell abzunehmen?
- Welche Prozesse sind wirklich „kritisch“, und welche sind nur „historisch so“?
4. Custom Code & Extensibility: Clean Core als Realitätscheck
Die Public-vs-Private-Entscheidung fällt oft an einer Frage: Was machen wir mit unserem Custom Code?
SAP Cloud ERP Public: Erweiterung statt Kernumbau
Public ist in der Realität eine klare Ansage: Der Kern bleibt sauber, Differenzierung passiert über Erweiterungen, APIs und entkoppelte Services. Das ist kein Dogma, sondern ein Wartbarkeitsversprechen: Wenn Du den Kern nicht zerlegst, bleiben Updates beherrschbar.
SAP Cloud ERP Private: mehr Freiheit – aber Du zahlst die Komplexität
Private erlaubt typischerweise mehr Nähe an klassische ERP-Realitäten. Das ist wertvoll, wenn Du komplexe Prozesse kurzfristig absichern musst. Aber: Je tiefer Du anpasst, desto mehr zahlst Du später in Testaufwand und Upgrade-Projekten.
CIO-Realitätscheck
- Custom Code als Differenzierung: bewusst modernisieren, entkoppeln, sauber dokumentieren.
- Custom Code als Schuld: Standardisieren, eliminieren, ersetzen.
5. Betriebsverantwortung & Updates: Release-Fähigkeit als KPI
Viele Entscheider unterschätzen diesen Punkt: Public ist ein Operating-Model-Commitment.
SAP Cloud ERP Public: Du musst „continuous change“ können
Public folgt einem regelmäßigen Release-Takt. Das bringt Innovation, aber verlangt organisatorische Reife:
- klare Prozessverantwortung,
- Testautomatisierung,
- Change- und Adoption-Mechanik,
- Release-Kommunikation in die Fachbereiche.
Wenn Du das kannst, wird Public zu einem Innovationsturbo. Wenn nicht, wird jeder Release zum Mini-Projekt.
SAP Cloud ERP Private: mehr Steuerung – dafür mehr Verantwortung
Private gibt Dir mehr Kontrolle über Timing. Das reduziert kurzfristige Betriebsrisiken, erhöht aber den Aufwand: Du musst Upgrades planen, testen, koordinieren – und die Organisation wird gerne in alte Muster zurückfallen („Upgrade später, wenn es brennt“).
CIO-Leitfrage
- Sind wir eine Organisation für „kontinuierliche Veränderung“ oder für „Change-Fenster“?
6. Migration & Transformation: Greenfield vs. Migration
SAP Cloud ERP Public: häufiger Greenfield / Neuaufsetzen
SAP Cloud ERP (Public) wird in der Praxis häufig als Greenfield oder „Neuinstallation“ gefahren – nicht aus Prinzip, sondern weil das Modell auf Standardisierung und Best Practices setzt. Du nutzt den Wechsel, um:
- Prozesse zu harmonisieren,
- Altlasten loszuwerden,
- Daten selektiv zu migrieren,
- Organisations- und Prozessdesign neu zu denken.
SAP Cloud ERP Private: häufiger Migration aus SAP ERP oder S/4HANA On-Premise
SAP Cloud ERP Private ist oft der natürliche Pfad, wenn Du aus SAP ERP oder S/4HANA On-Premise kommst und:
- einen großen Custom-Code-Footprint hast,
- Integrationen stabil weiterbetreiben musst,
- oder den Transformationsschritt schrittweise gehen willst.
CIO-Tipp:
Wenn Du heute Private wählst, definiere von Anfang an eine Roadmap, wie Du Komplexität reduzierst. Sonst wird Private zur „On-Premise in der Cloud“-Dauerschleife.
7. DDA: SAP Cloud ERP Public vs Private konkret festlegen
Jetzt wird’s praktisch: Wie stellst Du fest, welches Modell wirklich passt – ohne dass es zur Bauchgefühl-Debatte wird?
Hier kommt DDA (Digital Discovery Assessment) ins Spiel. DDA ist ein kollaborativer Discovery-Ansatz, mit dem sich Anforderungen, Scope und Rahmenbedingungen strukturiert erfassen lassen – und daraus eine belastbare Empfehlung ableiten lässt. Für CIOs ist das Gold wert, weil Du am Ende ein nachvollziehbares Ergebnis hast, das Du ins Steering geben kannst: „Wir wählen Public/Private aus diesen Gründen – und das ist unser Scope.“
So nutzt Du DDA als CIO (CIO-tauglicher Ablauf)
- Quick Qualifier (1–2 Workshops):
Erste Einordnung: SAP Cloud ERP Public oder Private – basierend auf Prozessstandardisierung, Compliance, Integrationskomplexität und Transformationsfähigkeit. - Detailed Discovery (2–6 Workshops, je nach Breite):
Detaillierte Aufnahme von End-to-End-Prozessen, Scope, Ländern/Regionen, Integrationen und Erweiterungsbedarfen. Ergebnis: klare „Scope-Schnittmenge“ zwischen Wunsch und Standard. - Entscheidungsvorlage fürs Steering:
- empfohlene Edition (Public/Private)
- Scope-Statement („was ist drin, was ist bewusst nicht drin“)
- Risiken & Maßnahmen (z. B. Change-Fähigkeit, Testautomation, Integrationsentkopplung)
- Grobe Roadmap (Greenfield vs Migration)
Warum DDA das Projektrisiko senkt
- Du vermeidest „Scope-Überraschungen“ im Realize.
- Du bringst Fachbereich und IT früh auf ein gemeinsames Verständnis.
- Du bekommst eine klare Grundlage für Budget und Timeline.
Und ja: Wir unterstützen dabei.
Fink IT-Solutions begleitet dich gerne bei der Durchführung des DDA, der Moderation der Fit-to-Standard-/Discovery-Workshops und der Übersetzung der Ergebnisse in eine CIO-taugliche Entscheidungs- und Transformationsroadmap.
8. Entscheidungsübersicht: SAP Cloud ERP Public vs Private
| Kriterium | SAP Cloud ERP (Public) | SAP Cloud ERP Private |
|---|---|---|
| Leitprinzip | process follows solution | solution follows process |
| Transformationsstil | Standardisierung, Fit-to-Standard | Kompatibilität, schrittweise Transformation |
| Migration | häufiger Greenfield/Neuaufsetzen | häufiger Migration aus SAP ERP / S/4 On-Prem |
| Custom Code | entkoppeln, Clean Core, Erweiterungen | mehr Freiraum, mehr Test-/Upgrade-Last |
| Updates | regelmäßiger Takt, Adoption nötig | steuerbar, mehr Governance |
| TCO-Treiber | Standardisierung senkt langfristig Kosten | Fit senkt kurzfristig Risiko, erhöht oft langfristig Kosten |
| Entscheidungssicherheit | DDA schnell belastbar | DDA genauso – oft mehr Fokus auf Migration/Control |
9. Fazit
SAP Cloud ERP ist nicht nur eine Produktentscheidung – es ist eine Entscheidung für ein Betriebs- und Transformationsmodell.
- SAP Cloud ERP (Public) ist ideal, wenn Du Standardisierung willst, schneller „clean“ starten kannst und bereit bist, Prozesse an Best Practices auszurichten.
- SAP Cloud ERP Private ist stark, wenn Du Migration und Stabilität priorisieren musst – etwa aus SAP ERP oder S/4HANA On-Premise heraus – und die Transformation schrittweise steuern willst.
Und wenn Du nicht raten willst: Mach es konkret mit DDA. Damit wird aus der Public-vs-Private-Debatte eine nachvollziehbare Entscheidung mit Scope, Risiken und Roadmap. Für mehr Informationen lesen diesen Blogbeitrag: SAP Cloud ERP Private 2026: Was ändert sich für Kunden?.
FAQs
Ist SAP Cloud ERP (Public) immer Greenfield?
Nicht zwingend, aber häufig. Public belohnt Neuaufsetzen und Standardisierung. Je mehr Altlasten du 1:1 übernehmen willst, desto schwieriger wird es.
Ist Private nur ein „Lift & Shift“ in die Cloud?
Sollte es nicht sein. Private kann ein starker Migrationspfad sein – aber nur, wenn du parallel eine Roadmap zur Standardisierung und Komplexitätsreduktion definierst.
Wie hilft DDA konkret bei Public vs Private?
DDA macht Anforderungen und Scope transparent und liefert eine strukturierte Empfehlung inklusive Scope-Statement und Risiken. Perfekt als Grundlage fürs Steering.
Kann die Fink IT-Solutions beim DDA unterstützen?
Ja. Wir unterstützen dich bei der Durchführung, Moderation und der Übersetzung der Ergebnisse in eine belastbare Transformationsentscheidung. Für mehr Informationen, fülle gerne unser Kontaktformular aus: Kontaktformular | Fink IT-Solutions – IT-Beratung & Lösungen in Würzburg – Fink IT-Solutions
